







Regisseur · Dramaturg · Kulturmanager
Jürgen Wönne
40 Jahre Kulturarbeit an der Saar
Zimmertheater, Kabarett und Comedy – nach fünf Jahren Erlangen/Nürnberg, fünf weiteren Jahren in Berlin und zwei Jahren auf Tournee arbeitet Jürgen Wönne seit dem 17. Feb. 1986 als Freier Theatermann und Kulturmanager im Saarland.
Künstlerischer Werdegang
Regie-, Schauspiel- und Pantomime-Ausbildung bei Claus Just, Benito Gutmacher, Werner Müller und Samy Molcho.
Dramaturgie und Inszenierung „Bambule“ von Ulrike Meinhoff (Uraufführung), Experimentiertheater Erlangen. Regieassistenzen am Staatstheater Braunschweig und am Jungen Theater Göttingen. Regie an der Sommerakademie Trier: „Rashomon“ (Pantomime nach Kurosawas Film).
Uraufführungen unter der Regie von Jürgen Wönne · bis 1995
- 1987 „Caleidoscopia“ von Jürgen Wönne
- 1987 „Die Kellnerin Anni“ von Herbert Rosendorfer (bundesweite Gastspiele)
- 1988 „Der Cascadeur“ von Wilhelm Pellert
- 1989 „Die letzten Tage der Marie Antoinette“ von Jürgen Wönne
- 1989 „1944, Johanna Kirchner“ von Jürgen Wönne (zum 100. Geburtstag)
- 1989 „Top Secret“ von Thom Wolff nach Salinger (bundesweit über 160 Aufführungen)
- 1990 „Goethes Wilhelm Meister“ nach den Lehrjahren
- 1990 „Das Tagebuch des Caspar Hauser“ von Jürgen Wönne (Uraufführung im Rahmen der Caspar-Hauser-Wochen in Ansbach)
- 1990 „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ nach Heinrich Böll
- 1991 „Der Weg zum Rum“ von Thom Wolff
Studio-Theater · Projekte & Aktivitäten
Regie für Detlev Schönauer: „Die Sternstunde des Josef Bieder“ von Eberhard Streul.
Der Logos-Verlag gibt vier Bücher von Jürgen Wönne heraus: „Beschausamkeiten“ (Lyrik/Sprachjonglage mit Zeichnungen von Werner Ferber) · Dramatisierte Weltliteratur Bd. 1 „Männliche Eitelkeiten“ (Goethes Wilhelm Meister · Das Bildnis des Dorian Gray) · Dramatisierte Weltliteratur Bd. 2 „Schonungslos offen“ (Rousseaus Bekenntnisse · Plädoyer eines Irren) · Theater der Gegenwart Bd. 1 „Frauen unter der Guillotine“ (Die letzten Tage der Marie Antoinette · 1944 – Johanna Kirchner)
Resonanz-Theater · KIR · Weitere Stationen ab 1995
Preisträger: 2000 Detlev Schönauer · 2001 Bernd Vogel · 2002 Rainer Kröhnert · 2003 Kabarett A-Z · 2004 Helga Siebert · 2005 Silvia Bervingas · 2006 Bernhard Hoecker
Interview · 25 Jahre Saarland
SZ-Redakteurin Susanne Brenner im Gespräch mit Jürgen Wönne
25 Jahre Kulturarbeit an der Saar. Was war im Rückblick Ihre wichtigste Tat in dieser Zeit?
Neben der Gründung des Studio-Theaters, das ja jetzt am 1. März sein 25-Jähriges feiert, die Zusammenarbeit mit Thom Wolff, mit Detlev Schoenauer und Jutta Lindner.
Was war Ihr größter Erfolg?
Meine Inszenierung von „Top Secret“ von 1989 mit Thom Wolff. Die wurde bundesweit fast 200 Mal gespielt. Und die „Nasreddin Hodscha“-Produktion, die ich mit türkischen Jugendlichen für das Gemeinwesen Baris Völklingen 1993 herausbrachte. Meine achtjährige Tätigkeit bei Baris brachte uns auch eine Einladung in die Türkei zum Internationalen Nasreddin Hodscha Festival mit 14-tägiger Türkeireise. Die lief zum Teil sogar unter Polizeischutz, weil man Angst vor Kurdenattentaten hatte. Außerdem natürlich die Uraufführung von Janoschs „Mutterglück“ mit unter anderem zwei Gastspielen in London.
… und was empfinden Sie als Ihre größte Niederlage?
Dass ich einige Produktionen mit den falschen Leuten gemacht habe. Dass ich das bundesweit einzige Theaterfestival für Dramatisierungen (Pro.Drama.) im Saarland versucht habe zu etablieren. Auf die Idee, die Gründung und Durchführung des Festivals war ich natürlich stolz.
Gibt es eine Besonderheit in der Saarbrücker Kulturszene?
Ich bin seit 15 Jahren sehr viel auf Gastspielreisen, betreibe eine Künstleragentur. Ich hab‘ da nicht so viel mitbekommen. Ich habe zwar, glaube ich, etwa 15 Uraufführungen inszeniert, aber nie Förderung beantragt, weil ich meine Stücke immer lange spielen wollte.
Eine so lange Zeit – da haben Sie doch sicher auch Lustiges, Überraschendes erlebt. Was ist Ihre Lieblingsanekdote?
Nett war zum Beispiel, dass die GEMA einmal den Peter Kraus hat im Studio-Theater auftreten lassen – ohne dass ich was davon erfuhr. Wieso ich aber auch noch Gebühren zahlen sollte, hatte ich nicht verstanden. Ein Blick in den Terminkalender zeigte mir, dass ich zu dem Termin sogar in Saarbrücken war – ich hatte da ein klassisches Gitarrenkonzert mit Peter Knerner im Spielplan. Na ja, Namen sind … Auch schön war, als die Stadtzeitung mal eine Kritik zu einer Stendal-Inszenierung schrieb. Mein Autor hieß zwar Strindberg, aber immerhin, beide waren männlich und hatten die ersten beiden Buchstaben gemeinsam.
Haben Sie es je bereut, dass Sie Ihr Lebensweg an die Saar geführt hat?
Nein, nie. Nach fünf Jahren Nürnberg/Erlangen und fünf Jahren Berlin war das eine angenehme Umstellung. Und meine beiden tollen Söhne gäbe es doch sonst auch nicht!
Wie sehen Ihre Pläne für die nächsten Jahre aus?
In den nächsten fünf Jahren will ich es erst mal etwas langsamer angehen lassen – ich werde schließlich auch noch 60 in diesem Jahr. Und den Weg mit Jutta Lindner will ich fortsetzen. Meine beiden letzten Inszenierungen mit ihr, „Nachtschwester Lackmeier“ und „Oma F.R.I.E.D.A.“, sind im ganzen deutschsprachigen Raum sehr gefragt.